Duoszene

Ein Schüler der WSfS bei der Duoprobe

Interview mit Verena Plümer - Frage 6/9

Gibt es ein bestimmtes Leitbild, dass ihr mit der Ausbildung an der Wiesbadener Schauspielschule verfolgt?

Das eine ist, wir interessieren uns extrem für Typen. Wir suchen weniger die Talente, die in eine bestimmte Schublade passen und die im Moment zahlreich auf den Markt kommen. Uns interessiert eher der ausgefallene Typ, das individuellere Talent. Wir denken auch, dass es in Hinblick auf die Theater-, Fernseh- und Filmlandschaft wesentlich spannender ist, Typen zu haben, Individuen zu haben. Wir haben da auch Bestätigung bekommen von Casting-Agenturen, die sagten „Endlich mal ein anderes Gesicht, eine andere Ausstrahlung. Nicht wieder die große Blonde oder die kleine Dunkle.“

Was unseren Unterrichtsstil angeht: Wir haben 14 Dozenten, davon unterrichten sieben im Darstellungsbereich, also Improvisation, Ensemble, Einzelunterricht. Die Dozenten sind alle sehr unterschiedlich – sollen sie auch sein – in der Art, wie sie arbeiten. Aber wir haben alle eine spezielle Vorstellung. Man kann das jetzt ganz allgemein mit Stanislawski beschreiben. Es geht darum, dass ich BIN auf der Bühne. Klar, man stellt sich vor als ob, die Situation ist als ob. In der Situation muss ich aber sein. Und nicht, in der muss ich so tun, als ob ich bin. Für uns alle ist der ästhetische Maßstab, ob etwas gelingt oder nicht, dass ich kaum eine Differenz sehe zwischen der Wirklichkeit und dem Bühnengeschehen. Es gibt andere Spielstile, aber ich würde mal sagen, für Deutschland ist das der im Wesentlichen bestimmende.

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