Heinrich von Kleist

Heinrich von Kleist

Heinrich von Kleists „Amphytrion“

Göttlich-menschliche Verwirrungen

Als Grundlage für das Lustspiel „Amphytrion“, das Heinrich von Kleist 1806 schrieb, dient ein populärer Stoff aus der antiken Mythologie: die Sage vom Gott, der mit einer irdischen Frau einen Sohn zeugt, um sich einen übermenschlichen Helfer zu schaffen. Auf der Grundlage von Molières gleichnamiger Gesellschaftskomödie entwickelte Kleist ein tragikomisches Schauspiel um Identitätskrisen und Entfremdung.

Alkmene verweigert ihrem Angetrauten Amphytrion den Sex bis er den Mord an ihrem Bruder gerächt hat. Also zieht Amphytrion samt seines Heeres in den Kampf. Während der Abwesenheit des Herrschers ist Zeus in Theben eingekehrt. Er will in Amphytrions Gestalt eine Liebesnacht mit Alkmene verbringen. Nach dem Sieg schickt Amphytrion seinen Diener Sosias nach Theben, um Alkmene seine nahende Rückkehr zu melden. Vor dem Schloss begegnet Sosias seinem Ebenbild, das ihm mit Gewalt den Zugang zu Alkmene verwehrt. Es ist der Götterbote Merkur, der den Auftrag hat, Zeus' Liebesnacht mit Alkmene vor etwaigen Störungen zu schützen. Der echte Sosias kehrt zurück ins Lager und berichtet seinem Herrn von der merkwürdigen Begegnung. Sosias' Ebenbild hingegen weist in Amphytrions Haus die erotischen Avancen Charis', Sosias Ehefrau, zurück.

Beim Wiedersehen mit Alkmene muss Amphytrion feststellen, dass Zeus sich während seiner Abwesenheit seines Hauses und seiner Frau bemächtigt hat...