„Sie sehen, unsere Hauptaufgabe ist nicht nur, das Leben der Rolle in ihrer äußeren Erscheinung wiederzugeben, sondern vor allem auch das innere Leben des dargestellten Menschen [...] erstehen zu lassen, wobei die eigenen menschlichen Gefühle der Rollengestalt angepaßt und diesem fremden Leben alle organischen Elemente der eigenen Seele gegeben werden müssen.“

Konstantin Sergejewitsch Stanislawski (1863-1938)

Konstantin Sergejewitsch Stanislawski (1863-1938) eigentlich Konstantin Sergejewitsch Alexejew

1898 wurde das Moskauer Allgemeinzugängliche Künstlerische Theater (MChAT) von Wladimir Nemirowitsch-Dantschenko und Konstantin S. Stanislawski gegründet. Dort wirkte Stanislawski 30 Jahre als Theaterleiter, Regisseur, Schauspieler, und Pädagoge. Sein heutiges Renommee als „Lehrmeister“ erarbeitete er sich autodidaktisch. (1)

Stanislawski war Vertreter des Naturalismus. Seine schöpferische Schauspielästhetik gründet auf der Wechselwirkung von Körper und Seele. Er geht davon aus, dass alles, was der Mensch innen fühlt, durch sein Verhalten, seine Mimik, Gestik, Bewegungen und seine Haltung nach außen artikuliert wird (1):

„Im Innern des Menschen sind Wille, Verstand, Gefühl, Vorstellungskraft und Unbewußtes tätig, während der Körper wie ein ungewöhnlich empfindliches Barometer deren schöpferisches Arbeit widerspiegelt.“ (2)

Nach Stanislawskis Schauspieltheorie soll der Schauspieler ein Gefühl nicht bloß darstellen, sondern dieses Gefühl tatsächlich haben – „nur was Schauspieler erleben, können sie verkörpern“(3). Die Aufgabe des Schauspielers ist also der Rolle, die sie verkörpern, „alle organischen Elemente der eigenen Seele“ (4) zu geben, um wahrhaftig zu spielen. Insofern schloss sich Stanislawski Sainte-Albines Forderung nach einem „heißen Schauspieler“ an.

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