„Sie sehen, unsere Hauptaufgabe ist nicht nur, das Leben der Rolle in ihrer äußeren Erscheinung wiederzugeben, sondern vor allem auch das innere Leben des dargestellten Menschen [...] erstehen zu lassen, wobei die eigenen menschlichen Gefühle der Rollengestalt angepaßt und diesem fremden Leben alle organischen Elemente der eigenen Seele gegeben werden müssen.“

Konstantin Sergejewitsch Stanislawski (1863-1938)

Darüber hinaus entwickelte er eine Technik, die es dem Schauspieler ermöglichen soll, innere Prozesse zu „initiieren und kontrolliert einzusetzen“(5). Mithilfe des ‘affektiven Gedächtnis’ soll der Schauspieler sich an ähnliche Emotionen und Umstände erinnern, die die Rolle in diesem Augenblick „fühlt“. In dieses Gefühl muss sich der Schauspieler zurückversetzen und es der Rolle anpassen, um ihr Leben zu geben.

Basierend auf der These des psychophysischen Wechselspiels könne der Schauspieler ebenso Emotionen hervorrufen, indem er eine für die Gefühlslage typische Körper-Haltung einnimmt:

„Wenn wir unsere physischen Handlungen einer logischen folgerichtigen äußeren Linie verlaufen lassen, werden wir [...] die Erfahrung machen, daß parallel dazu in uns selbst noch eine andere Linie entsteht – die Linie logischer, folgerichtiger Empfindungen.“

Um Gefühle wahrhaftig verkörpern zu können, ist eine Ausbildung des Körpers notwendig. Stanislawski machte in diesem Zusammenhang „Körpertraining und Drill“ zu Elementen der Schauspielausbildung. Ballett, Akrobatik, Fechten, Rhythmik und Bewegungsstudien sind noch heute fester Bestandteil der Lehrpläne der deutschen Schauspielschulen.

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