„Fühlet man wirklich einen
von diesen Eindrücken recht stark, so wird er sich ohne Mühe von selbst in unsern Augen malen.“

Pierre Rémond de Sainte-Albine (1699-1778)

Pierre Rémond de Sainte-Albine (1699-1778)

In „Le Comédien“(1), der 1747 in Paris erschien, untersuchte der Journalist Pierre Rémond de Sainte-Albine die Anforderungen an den Schauspieler und sein Handwerk:

„Die Natur muss zwar die Anlage zu einem Schauspieler machen, allein die Kunst muss seine Ausbildung vollenden.“

Im Gegensatz zu Franciscus Lang, der eine idealisierte Nachahmung der Natur für wahre Schauspielkunst hielt, forderte Sainte-Albine eine Nachahmung der „sinnlich wahrnehmbaren Umwelt"(2). Denn „[d]ramatische Dichtungen gefallen uns umso mehr, je ähnlicher sie wahrhaften Geschichten sind.“ Wahrheit im Theater ist der „Zusammenfluss aller Wahrscheinlichkeiten, welche dienen können, den Zuschauer zu täuschen.“

Zudem sollten nicht Affekttypen dargestellt werden, sondern individuelle Figuren, die in sozialen und persönlichen Beziehungen zueinander stehen. Das Theater sollte „komplexe emotionale Zustände" gestalten. Der Schauspieler sollte sich nach Sainte-Albine jederzeit der sozialen Situation, des Alters und Ranges seiner Rolle bewusst sein und sie entsprechend darstellen.(3)

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