„Die Hauptregel ist, setze
deine Zuschauer in Bewegung, denn auf der Bühne ist eine frostige Handlung allzeit die unvollkommenste.“

Pierre Rémond de Sainte-Albine (1699-1778)

So waren die Zuschauer nicht länger Publikum sondern Beobachter einer intimen Situation. Im Sinne dieser illusionistischen Täuschung kam die Guckkastenbühne mit ihrer imaginären vierten Wand ins Spiel. Die Schauspieler sollten nicht länger als Darsteller wahrgenommen werden, sondern als real handelnde Personen.(4)

Sainte-Albine forderte von den Schauspielern die Gefühle, die sie darstellen, auch wirklich zu fühlen. Die Idee des „heißen“ Schauspielers war geboren:

„Wenn ihr diejenigen Empfindungen, die ihr uns auf dem Theater zeigen wollet, nicht selbst fühlet, so zeiget ihr sie uns nicht selbst, sondern ein unvollkommenes Abbild davon, und niemals wird die Kunst die Stelle der Empfindung ersetzen.“

Nach Sainte-Albine ist ein „Akteur, dem die Empfindung fehlt“ kein Schauspieler, sondern „man kann ihn aufs höchste nur einen Deklamator“ nennen. Um sein Ideal des „heißen“ Schauspielers zu untermauern bezieht er sich auf ein Zitat des römischen Dichters Horaz: „Weine, wenn du willst, dass ich weinen soll“ und formuliert sie für die Schauspieler um:

„Die Hauptregel ist, setze deine Zuschauer in Bewegung, denn auf der Bühne ist eine frostige Handlung allzeit die unvollkommenste.“

1 | 2 | Quellen