„Den Ausdruck nennt man diejenige Geschicklichkeit, durch welche man den Zuschauer diejenigen Bewegungen, worein man selbst versetzt zu sein scheint, empfinden lässt.

Ich sage, man scheint darein versetzt zu sein, nicht, daß man wirklich darein versetzt ist.“

Francesco Riccoboni (1707-1772)

Francesco Riccoboni (1707-1772)

Francesco Riccoboni war Schauspieler und brachte 1750 mit „L’art du théâtre“(1) einen Ratgeber für Schauspieler heraus.

Die pragmatische Schrift war als Briefsammlung an eine imaginäre „Madame Jodin“ verfasst. In weiten Teilen stimmte Riccoboni mit seinem Zeitgenossen Sainte-Albine über das Wesen einer Aufführung überein. Auch er vertrat die illusionistische Täuschung des Publikums und die Nachahmung der sinnlich-wahrnehmbaren Umwelt. Ebenso forderte er vom Darsteller komplexe emotionale Zustände darzustellen, indem er sich jederzeit der sozialen Situation, des Alters und Ranges seiner Rolle bewusst sein müsse und sie entsprechend darstelle.(2)

Jedoch sah er einen anderen Weg, diese Ziele zu erreichen: Riccoboni propagierte den „kalten“ Schauspieler und sah die realistische Empfindung des Darstellers beim Spiel gar als Nachteil an - „wenn man das Unglück hat, das, was man ausdrückt, wirklich zu empfinden“, wird man „außerstand gesetzt [...] zu spielen“. Riccoboni plädierte also für den intelligenten, kontrollierten Schauspieler:

„Man muss die Bewegungen der Natur bei andern vollkommen wissen und von seiner Seele allezeit Meister bleiben, damit man sie nach Belieben der Seele eines andern ähnlich machen kann.“

1 | Quellen