Wir verschmähen mit
nach links gewandtem Gesicht und stoßen die ausgestreckten und mäßig erhobenen Hände, welche die widrige Sache zurückweisen, zur anderen Seite hin.

Dasselbe tun wir mit der rechten Hand allein, die leicht zum Handgelenk eingebogen ist und gleichsam ängstlich durch eine wiederholte Abwehrbewegung verscheucht, was wir verabscheuen.“

Franciscus Lang, Chorag im Schultheater der Jesuiten (1654-1725)

Langs Vorstellung einer idealisierten Gestik orientiert sich an den höfischen Umgangsformen des Barocks und an Werken antiker Maler und Bildhauer (2).

In seiner ‚Abhandlung über die Schauspielkunst’ gibt Lang genau vor, wie sich ein Schauspieler auf der Bühne bewegen soll. Das „Bühnenkreuz“ beschreibt, wie ein Schauspieler auf der Bühne stehen soll: „immer werde der eine Fuß von dem anderen schräg abgewinkelt, so dass der eine beim Stehen eine beinahe gerade Linie, der andere eine schräge Linie aufweist (...); der eine Fuß werde ein wenig vorgesetzt, der andere zurückgezogen“.
Auch für die Haltung der Arme, Ellenbogen und Hände hat Lang Regeln definiert.

Das zweite von zehn „Geboten“, die die Gestik in bestimmten Affektzuständen definieren, lautet:
„Wir verschmähen mit nach links gewandtem Gesicht und stoßen die ausgestreckten und mäßig erhobenen Hände, welche die widrige Sache zurückweisen, zur anderen Seite hin. Dasselbe tun wir mit der rechten Hand allein, die leicht zum Handgelenk eingebogen ist und gleichsam ängstlich durch eine wiederholte Abwehrbewegung verscheucht, was wir verabscheuen.“(5)

Nicht der Gestik allein, auch der unterstützenden Mimik sprach Lang ein große Wirkung zu. Denn im Gesicht stehen „wie auf einer Tafel geschrieben, die Regungen der Seele zu lesen“. Insbesondere sollen die Augen als „Sitz der Affekte“ zur Wirkung des Spiels beitragen: „Alle Affekte sollen in den Augen erscheinen, die auch ohne Stimme (...) beredt genug sind.“

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