Die Schauspieler

„sollen daher auch nicht aus mißverstandener Natürlichkeit untereinander spielen, als wenn kein Dritter dabei wäre; sie sollen nie im Profil spielen, noch den Zuschauern den zuwenden.“

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

In den „Regeln für Schauspieler“(1) hielt Goethe die neuen Anforderungen, die sich an die Schauspieler stellten, fest. Ähnlich wie Franciscus Lang formulierte Goethe handfeste Anweisungen zu der Stellung auf der Bühne, zur Haltung der Hände, zur Biegung der Finger sowie zum Auftritt. Im Gegensatz zu Lang sollten diese „künstlichen Gesten und Stellungen“ jedoch nicht „als Zeichen [für einen Affekt] fungieren“(4). Ihnen kam keine eigene Bedeutung zu, sie ergaben erst einen Sinn in Bezug auf die Gesamtheit der Elemente der Aufführung. Denn die Aufführung war in Goethes Augen nur als Ganzes ein vollkommenes Kunstwerk.

Demzufolge lehnte Goethe das zu dieser Zeit gängige Virtuosentum einzelner großer Schauspieler ab: „Keine einzige Stimme darf sich geltend machen; Harmonie muß das Ganze beherrschen, wenn man das Höchste erreichen will.“ In diesem Sinne führte Goethe das Ensemblespiel ein, schaffte das Rollenstudium ab und hielt regelmäßige Proben ab. Gewissermaßen kreierte Goethe so einen neue Ausprägung der Bedeutung der Regie.(5)

Goethe inszenierte die Aufführungen malerisch und musikalisch. Die Farben der Kostüme waren nach ihrer Symbolkraft ausgewählt und auf die Dekoration abgestimmt. Die Stellung der Schauspieler auf der Bühne war genau bestimmt, so dass der Blick auf die Bühne einem Blick auf eine Malerei gleichkam.(6)

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