„Der Zweck dieser Technik des Verfremdungseffekts war es, dem Zuschauer eine untersuchende, kritische Haltung gegenüber dem darzustellenden Vorgang zu verleihen.“

Bertolt Brecht (1898-1956)

Bertolt Brecht (1898-1956)

Im Gegensatz zu Stanislawskis Methode der Einfühlung steht Bertolt Brechts Technik der Verfremdung. Ende der 1930er entstand seine Schrift „Kurze Beschreibung einer neuen Technik der Schauspielkunst, die einen Verfremdungseffekt hervorbringt“. Zu dieser Zeit war Stanislawskis Methode in Deutschland bereits als Ideal der Schauspielkunst etabliert. Brechts Schrift grenzte sich von Stanislawskis Methode ab, nutzte jedoch deren Status als Standard. Die Art von Theater, die Brecht vorschwebte, war eine Verfremdung der gängigen Praxis.

Nach Brechts Ansicht sollte das Bühnengeschehen keine Illusion der Wirklichkeit herstellen. Vielmehr sollte es eine Demonstration von Umständen sein. Brecht forderte ein analytisches Theater, dass das Publikum nicht zum Einfühlen auffordert, sondern zum Nachdenken und Hinterfragen anregt. Um das Publikum in diese Haltung zu versetzen, müssten alle Elemente der Aufführung demonstrativ als Gegenstand der zu untersuchenden Situation sichtbar sein.

Der Schauspieler solle sich nicht mit seiner Rolle identifizieren und sich vollständig in sie verwandeln. Beim Spiel solle er sie ständig in Frage stellen. Die Figur auf der Bühne sollte als „leibhaftige[r] Widerspruch von Schauspieler und Rolle“ (1) fungieren.

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