Der Schauspieler solle so spielen,

„daß man die Alternative möglichst deutlich sieht, so, daß sein Spiel noch die anderen Möglichkeiten ahnen läßt, nur eine der möglichen Varianten darstellt.

Er sagt zum Beispiel:

‚Das wirst du mir bezahlen’

und er sagt nicht:

‚Ich verzeihe dir das’.“

Bertolt Brecht (1898-1956)

Diese Art der Schauspielkunst forderte vom Darsteller ständige Reflexion. Brecht riet zum „Memorieren der ersten Eindrücke“ der Rollenarbeit: Was dem Schauspieler anfangs befremdlich, widersprüchlich, ungewöhnlich oder erstaunlich an der Rolle erschien, solle er in die Darstellung der Figur mit einfließen lassen. Keinesfalls solle er diese Elemente als gegeben hinnehmen und selbstverständlich verkörpern. Er solle in demonstrativer Haltung die Rolle präsentieren und „das, was er zu zeigen hat, mit dem deutlichen Gestus des Zeigens“ versehen.(2)

Brecht forderte bei der Darstellung das „Nicht – Sondern“ zu fixieren. Bei allem, was der Schauspieler in der Rolle sagt, wie er sich bewegt oder wie er steht, solle die Alternative dazu sichtbar sein. Auch den Text, den die Rolle auf der Bühne zu sagen habe, sollte der Schauspieler nicht als eigene Gedanken oder Ansichten sprechen, sondern demonstrativ zitieren. (2)

Der Schauspieler nach Brecht ermöglicht durch die analytische Distanz, die er zu der Rolle einnimmt, dem Publikum die Handelnden ebenso kritisch zu betrachten.

Brechts Theorie des „Verfremdungseffekts“ liegt dem epischen Theater zu Grunde.

1 | 2 | Quellen