Das barocke Theater sollte das neue Verhaltensideal propagieren:

„Überlegung, Berechnung auf längere Sicht, Selbstbeherrschung, genaueste Regelung der eigenen Affekte, Kenntnis der Menschen und des gesamten Terrains“

Das Welttheater im 17. Jahrhundert

Theatrum Mundi – Die Welt als Bühne

Im 17. Jahrhundert wurden mit dem neuen Verhaltensideal des „honnête homme“ neue Eigenschaften und Fähigkeiten verlangt. Um „sozialen Erfolg“ zu erlangen, müsse der Bürger „Überlegung, Berechnung auf längere Sicht, Selbstbeherrschung, genaueste Regelung der eigenen Affekte, Kenntnis der Menschen und des gesamten Terrains“ erlernen. Die Aufführungen der barocken Wanderbühnen sollten dieses neue Verhaltensideal propagieren. (1) Als eine Art Entlastung für diejenigen, die sich den neuen Anforderungen nicht gewachsen sahen, etablierte sich die Komische Figur.

Das Barock-Theater bemühte sich um die perfekte Illusion. Das Theater sollte als Abbild der Welt inszeniert werden. Es sollte die Scheinhaftigkeit und Vergänglichkeit des menschlichen Daseins repräsentieren, um Erkenntnisse über die Welt möglich zu machen. Entsprechend vergrößerte sich die Themenvielfalt der Stücke: Alles, was auf der Welt geschieht, konnte auf die Bühne gebracht werden.(2)

Die barocken Theater, die im 17. Jahrhundert entstanden, wurden nach dem Vorbild italienischer Bühnenkonstruktionen erbaut. Sie waren als Rang- und Logentheater konzipiert. Die Raumkonzeption repräsentierte die Hierarchie der gesellschaftlichen Ordnung: Die gesamte Bühnenkonstruktion war auf den Platz des Fürsten ausgerichtet. Der Platz an dem ein Zuschauer saß, ließ Rückschlüsse auf seinen gesellschaftlichen Status zu.(3)

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